Im aktuellen Rasenkieker wird die Herbstsaison der SG Elliehausen/Esebeck ausführlich unter die Lupe genommen.

Ein Finale mit Schatten: Die Bilanz im Fußball
wechselte von sehr gut bis nur noch bescheiden

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt: Der Volksmund hat eine passende Formel für das, was die Anhänger des Fußballsports von der SG Elliehausen/Esebeck in der Herbstsaison geboten bekamen. Mit unerwarteten Erfolgen und begeisternden Spielen starteten die Youngster in der 2. Kreisklasse Staffel III, um dann am Ende ebenso stark einzubrechen. Von den routinierten Gegnern bekamen sie immer mehr die Grenzen aufgezeigt, je mehr sich die Verhältnisse auf und um den Platz herum verschlechterten.

Oktober und November waren keine guten Monate mehr für Stefan Blum und Thomas Hunger als Verantwortliche sowie für die Mannschaft selbst. Für alle Beteiligten war es ausgesprochen ungünstig, dass die Ansetzungen ein Spielprogramm bis tief in die feucht-kalte Jahreszeit hinein bescherten, das dann auch noch durchgezogen wurde. So mussten die beiden letzten Partien bei Temperaturen kurz über dem Gefrierpunkt auf zwei Kunstrasenplätzen absolviert werden. Und dass, obwohl aus einer ursprünglichen 13er-Staffel mit einem strammen Spielprogramm mittlerweile eine Zehner-Liga ohne weitere Absteiger geworden ist. Im Amateurfußball allerdings sind die Verantwortlichen offensichtlich nicht in der Lage, bei kurzfristigen entscheidenden Veränderungen von zentralen Rahmenbedingungen angemessen zu reagieren. Schon vor dem ersten Spiel hatte der TSV Jühnde seine Mannschaft zurückgezogen. Dann verzichteten SV Sieboldshausen und Türkgücü Münden II nach gravierenden unsportlichen Vorkommnissen auf eine weitere Teilnahme. Der Spielplan indes wurde nach den anfänglichen Eingaben durchgezogen, mit der Folge, dass die Mannschaften zwischendurch bei guten Wetterverhältnissen pausierten, am Ende aber in einem nasskalten Herbst bereits Rückspielen austragen mussten.

Tatsächlich müsste eine in diesem Fall absolut gebotene radikale Neuansetzung vom NFV in Hannover realisiert werden. Aber das scheint ein Aufwand zu sein, den niemand betreiben will.

Aber von vorn und zurück zu den Spielen. Mit etlichen Neulingen aus der eigenen Jugend und von Nachbarvereinen spielte sich die neue Erste von Anfang an in die Herzen der langsam wieder immer mehr werdenden GWE-Fans. Und der August sorgte für Staunen und Begeisterung. Ein sensationeller 4:1-Erfolg gegen die mit Routiniers erster Güte gespickte Elf von Sparta Göttingen III im ersten Spiel am Harrenacker (nach 0:1-Rückstand) setzte förmlich Kräfte frei. Auch vom ehemaligen Spitzenspieler Erol Saciri ließen sich die Gelb-Weißen an diesem Tag nicht beeindrucken.

Und so ging es gegen SC Hainberg III gleich weiter. Am Freitagabend gewannen die Jungs von Stefan Blum mit blitzsauberer Leistung mit 2:0-Toren gegen den damals aktuellen Tabellenführer. Wieder wurde die vorgegebene Marschroute voll umgesetzt. Und das änderte sich eine Woche später gegen Sieboldshausen auch nicht: 5:1 wurde der Gegner vom Platz gefegt. Welch eine zwischenzeitliche Bilanz Ende August: 9 Punkte aus drei Spielen, 10:2-Tore.

Das sollte sich mit dem nächsten Doppelspieltag allerdings erstmals relativieren. Im Kreispokal stimmte am Freitagabend die Leistung erneut, aber im Elfmeterschießen war der Gast HNK Göttingen I dann doch erfolgreich. Die SG war einem Gegner ebenbürtig, der sie im Frühjahr noch zweistellig abgekanzelt hatte.

Zwei Tage später am Sonntag klappte aber so gut wie gar nichts. Settmarshausen/Mengershausen war voll kämpferisch eingestellt und stoppte die SG mit allen (auch nicht erlaubten, aber vom Schiedsrichter tolerierten) Mitteln und behielt mit einem 1:0 in der 4. Minute auch am Ende die Punkte. Das war schon der erste Warnschuss, und gemessen am abschließenden Tabellenstand eine dumme Niederlage. Auch das folgende Spiel brachte bei einem 2:2-Remis gegen Tuspo Weser Gimte U23 keinen Sieg. Mit dem Punkt waren die Gastgeber an diesem Tag aber durchaus zufrieden, weil die Leistung stimmte. Nach der Kirmes schossen sich die SGler, wieder auf eigenem Platz, dann den Frust aus der Seele und schickten TSV Groß Schneen II mit 7:1-Toren nach Hause.

Das blieb nicht ohne Folgen. In der zu diesem Zeitpunkt erstmals korrigierten Tabelle lag die SG Elliehausen/Esebeck plötzlich auf Platz 1. Ein schöner Moment, der mit einem 2:0-Sieg beim 1. FC Gimte am Mittwoch nach dem Wandertag mit andern noch weiter ging. Zu diesem Zeitpunkt war die Defensive der SG vom Harrenacker der beste Mannschaftsteil. Das sollte sich in den folgenden Wochen in den drei Auswärtsbegegnungen mit den weiteren Spitzenmannschaften allerdings komplett ändern.

Im ersten Gipfeltreffen haderten die Mannen von Stefan Blum zunächst mit einer vergebenen Großchance in der ersten Minute und nach einem 0:2-Pausenstand mit Verletzungspech unter anderem von Torwart Simon Brüß sowie etlichen Schiedsrichterentscheidungen. Das 0:4-Endresultat zeigte aber auf, wohin es auch in den beiden nächsten Spielen gehen sollte.

In den beiden Spielen auf Kunstrasen gab es nichts zu gewinnen. Gegen den SC Hainberg III konnten die Gäste zwar die zweite Halbzeit für sich entscheiden, insgesamt hieß es aber 5:3 für Hainberg. „Opa kauft den jungen Wilden den Schneid ab“ titelte das Göttinger Fußballmagazin GöKick und bezog sich damit auf den 39-jährigen Özgür Bilge, der allein vier Treffer erzielte und die Elliehäuser Youngster trotz ihrer Jugend alt aussehen ließ.

Noch aggressiver agierte dann bereits im November Sparta Göttingen III und revanchierte sich mit einem 9:0-Kantersieg böse für die Niederlage im Hinspiel. Die teilweise verzagt wirkenden Jungen fanden überhaupt kein Mittel gegen die Alten mit deren fußballerischen Spielverständnis und Laufstärke. Dass es am Ende des Spiels noch eine rote Karte für einen Spartaner gab, fanden Spieler und Betreuer der SG angesichts des Auftretens der Gastgeber viel zu wenig. An der Überlegenheit des Konkurrenten gab es allerdings auch nichts zu zweifeln.

Aus der Hinserie fehlen noch die Spiele gegen Dransfeld II und Jahn Hemeln. Nach zehn Begegnungen in der Wertung liegt die SG Elliehausen/Esebeck mit 13 Punkten und 20:23-Toren noch auf dem vierten Platz. Der derzeitige Spitzenreiter Hainberg III hat allerdings schon sechs Punkte mehr, und Sparta III könnte mit einem Sieg im noch fehlenden Spiel sogar bereits sieben Punkte Vorsprung haben.

Wollen die Gelb-Weißen noch einmal oben anklopfen, dann müssen sie vor allem ihre eklatante Auswärtsschwäche abstellen. Mit 10 Punkten und 15:4-Toren sind sie in der Heimspielstatistik ganz vorne dran. In der Auswärtsbilanz dagegen reichen 3 Punkte aus fünf Spielen bei 5:19-Toren gerade mal für den 7. Platz. Und das ist deutlich weniger als bei allen anderen Spitzenclubs.

Wenn es zum Aufstieg noch reichen soll, dann müssten im Frühjahr/Sommer 2018 schon viele Dinge zusammenkommen. Den Verantwortlichen der SG ist es aber wichtig, wenigstens wieder an die gute Startphase anzuknüpfen. Wenn tatsächlich noch einige Verstärkungen an den Harrenacker kommen, dann sollte ein respektables Abschneiden nicht nur möglich, sondern keine Frage sein.  Werner Buss

 

 

 

 

Die Herbstsaison 2017 im Rückblick