Die GWE-Wanderer in Rhumspringe: Die Erlebnisse von einem Wandertag mit Wärme und Unterhaltung.

Elliehausen schickt nicht so viele Leute nach Rhumspringe, nur 14 Leute, mit denen wir allerdings hinter Tiftlingerode und Sudershausen am Ende trotzdem den dritten Platz machen bei 158 Teilnehmern. Wir hätten sicher gewinnen können, wenn die anderen nicht der Ausfahrt mit der Realgemeinde den Vorzug gegeben hätten.
Obwohl der Wetterbericht eher die Mitnahme von Regensachen empfohlen hatte, nichts dergleichen; vielmehr herrliches Wanderwetter, am Ende mussten Dirk und ich bei doch solidem Sonnenschein unseren Mützen bzw. Hüte doch noch vorsorgehalber aufsetzen, denn wir haben beide Erfahrungen mit Sonnenbrand auf dem Kopf wegen schütterem Haupthaar.
„Apropos schütteres Haupthaar: Wusstest du, dass die alten Griechen behaupteten, nur Frauen und Eunuchen hätten im Alter noch Haare? LOS hat allerdings leicht säuerlich gelacht, als ich ihm diese Anekdote erzählt habe – warum bloß? Na, egal.
Die Strecke führte für Monikas Geschmack anfänglich für eine zu lange Zeit noch durch Rhumspringe selber, also über wenig geschätzte Asphaltstraßen, aber dann ging es in die Feldmark bzw. schon bald danach über weite Strecken die alte schnurgerade Bahntrasse entlang, die keine Schienen mehr trägt, aber dafür gut für Fußgänger und Radfahrer ausgebaut ist. Die 10-Km-Strecke wartete am Ende doch noch mit nennenswert Wald auf.
Ansonsten natürlich, was man von Gegend zum Wandern eben erwartet: das Gras ist grün, die Luft enthält 21 Prozent Sauerstoff, die Vögel singen, allenthalben ganz passable Landschaft, alles schmückt sich mit zunehmend frühlingshaftem Erscheinen. Der eine oder andere Milan hält am Himmel nach Beute Ausschau, und wenn man danach sucht, findet man auch die Türme von der ehemaligen Papierfabrik.Vor Jahren haben wir dort einen Schwarzstorch am Himmel gesehen, aber diesmal war keiner da.
Stattdessen führte der Weg am Ankeröder Kreuz vorbei, das an das Dorf Ankerode erinnert, welches im Zuge des Bauernkriegs (1525) im Zusammenhang mit einem Missverständnis der leibeigenen Bauern über das, was Luther „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ gemeint hatte, von den die Bauern zusammenhauenden Rittern zerstört und danach aufgegeben wurde. Ganz voraufklärerisch steht unter dem Kreuz: „Die Welt vergeht, das Kreuz besteht“.
Danach noch die übliche Tour zur Rhumequelle selbst, die wie immer wegen der gelösten Phosphate milchig und türkis erscheint. Der Ultraquatsch mit dem Anbringen von die Liebe symbolisierenden und ihre Tiefe und Dauerhaftigkeit beschwörenden Vorhängeschlössern an Brücken über großen und kleinen Gewässern greift auch hier Platz, und man kann die zugehörigen Schlüssel im Wasser auf dem Grund liegen sehen. Es ist allerdings eine Tatsache, dass Fußballfans ihrem Verein treuer sind als ihren Frauen, aber wie man diesen Umstand der Umwelt sichtbar demonstriert, weiß ich nicht. Das mit der Liebe allgemein wird auch noch mit den zahlreichen Münzen deutlich gemacht, die ebenfalls am Grund liegen. Es sind auch etliche 2-Euro-Münzen dabei, sodass die Liebe wohl immerhin die wertvollste Münze wert war, die die europäische Währung zu bieten hat. Das Wasser ist aber wohl doch zu kalt, als das sich jemand fände, der mal eben 20 Euro erntet.
Gleich nebenan steht ein Standard-Reisebus, der laut Aussagen des Fahrers 20 Leute zur Quelle hingefahren hat, zu der wir erst nach einem 10-Km-Marsch gelangt sind, doch Spaß beiseite. Dirk meint allerdings, wir müssten in dieser Hinsicht irgendwas falsch gemacht haben. Neben dem Bus steht ein A-Klasse-Mercedes mit den Registrierbuchstaben HN und wir mutmaßen schon, dass Hans Nickel zwar nicht den Bus, aber doch sein Auto genommen hat, um zur Quelle zu gelangen. Aber da fällt uns doch ein, dass Hans eine andere Marke fährt.
Wie war das noch mit der A-Klasse und dem Elchtest? Ist der eigentlich seinerzeit mit einem verbesserten Auto wiederholt worden? Dirk meint ja, aber vielleicht hätten sie, um dem wütenden Elche Paroli bieten zu können, ja auch ein paar Waschbetonplatten reingelegt.
Auch Monika ist gut aufgelegt, denn sie subsummiert meine mit biblischer Wucht vorgetragene Überzeugung, dass Jever Pilsener das beste Bier wäre, mit dem vermittelnd an mich adressierten Kompromiss, jeder würde
eben das Bier am besten finden, mit dem er groß geworden wäre (in meinem Fall 1,64 m). Haha, dreimal kurz gelacht. Was aber in höchstem Maße ernstzunehmen und auch vor dem Hintergrund der Elliehäuser Profitgier besondere Bedeutung erlangt, sind die moderaten, eher niedrigen (um nicht zu sagen, die Bewirtung ist billig) Preise für Getränke und Mettwurstbrote: Bier 1,30 Euro, Mettwurstbrot mit sechs soliden Scheiben 1,- (!) Euro. Und sie haben sogar eine gute Begründung für ihr Entgegenkommen. Fast schon ist es eine Weltanschauung: Man soll als Besucher des Rhumspringeschen Wandertags beim Essen nicht arm werden, besonders nicht,
wenn man vielleicht als junge Familie kommt, und, kaum zu glauben: „Wir bieten das so preisgünstig an, weil wir das aus Spaß machen, und nicht, um damit Geld zu verdienen. Es reicht uns, wenn wir unsere Kosten reinkriegen und das ist der Fall!“

Wandern rund um die Rhumequelle: 14 GWE-Aktive in Rhumspringe